Interview mit Isabella Hren

|   Q-Servicetipps

Welche Wege erfolgreiche Unternehmer gehen, um Mitarbeiter zu gewinnen, zu motivieren und langfristig zu binden

Frau Hren, Sie sind selbst eine erfolgreiche Geschäftsführerin. Was ist Ihrer Meinung nach das ausschlaggebendste Merkmal, Mitarbeiter langfristig im Unternehmen zu halten?
Aus meiner Sicht geht es darum, wie wir uns um unsere Mitarbeiter kümmern. Das Gastgewerbe und der Tourismus leben von der Inszenierung – vom Schaffen von Erlebnissen und Begegnungen zwischen Menschen. Das macht den Zauber unserer Branche aus.
Emotionen regieren und bestimmen die Entscheidungen unserer Gäste, die weniger kaufen was wir tun, sondern warum wir es tun.  Es sind unsere Mitarbeiter, die Atmosphäre in unseren Betrieben schaffen, denn die persönliche Dienstleistung gibt oft den Ausschlag, ob und wie erfolgreich ein Unternehmen ist.
Das Fehlen von qualifizierten Mitarbeitern ist eine der größten Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft. Daher ist es unsere größte und tägliche Aufgabe unsere Mitarbeiter zu motivieren.
Die Q-Werkzeuge Q-Mitarbeiterbindung und Q-Mitarbeiterbefragung sind eine hervorragende Basis für weitere Schritte und bieten dem Unternehmen einen Überblick über den Status Quo.

Was müssen Unternehmen Ihrer Meinung nach bei der Suche nach den „richtigen“ Mitarbeitern beachten?
Erfolgreiche Arbeitgeber gehen beim Rekrutieren von Mitarbeitern neue Wege, arbeiten aktiv an ihrer Arbeitgebermarke und investieren in die Qualifizierung – sowohl in die eigene als auch in die Weiterentwicklung ihrer Mitarbeiter.
Zukünftig werden in der Dienstleistungsbranche die Einstellung und Motivation der Bewerber gleich oder mehr zählen als Erfahrung und Fertigkeiten. Fachliche Qualifikationen können trainiert und auch im Hinblick auf die individuellen, betrieblichen Erfordernisse vermittelt werden. Wettbewerbsentscheidend sind jedoch die Denkhaltung und die Dienstleistungsorientierung der Mitarbeiter.

Gibt es eine Goldene Regel, wie man Mitarbeiter motivieren kann?
Ist ein Arbeitnehmer erfolgreich gefunden und eingestellt worden ist es die Aufgabe der Unternehmer und Führungskräfte alle Rahmenbedingungen zu schaffen, um die Eigenmotivation der Mitarbeiter aufrecht zu halten. Neben den klassischen Instrumenten der Führung gewinnt persönliche Ansprache der Führungskräfte mehr an Bedeutung. Was vor allem für die Mitarbeiter zählt, ist, dass wir ihnen zuhören, nachfragen, sie weiterentwickeln, persönlich fördern und fordern. Die Lösungen und Anforderungen sind also individuell.

Haben Sie noch weitere Ideen und Tipps für die Praxis, die wir unseren Q-Betrieben verraten dürfen, getreu dem Motto „Mitarbeiter finden – Mitarbeiter binden“?
Ja, gerne teile ich weitere Anhaltspunkte und wichtige Überlegungen und Fragen mit, die sich jeder Unternehmer stellen sollte. Um genau die Mitarbeiter anzusprechen, die auch wirklich in den Betrieb „passen“ müssen Unternehmen zuerst einmal selbst wissen, für was sie stehen und wohin sie wollen.

Klare Strategie und Positionierung

  • Welche Gäste sind unsere Zielgruppe?
  • Was macht uns besonders (USP?)
  • Wo soll der Betrieb mittel- und langfristig stehen?

Klare Werte und Ziele

  • Welche Werte haben wir?
  • Wie setzen wir diese im Tagesgeschäft um?
  • Wer wollen wir sein?
  • Was geht im Umgang mit Mitarbeitern gar nicht, was wollen wir nicht zulassen?

Konkrete Mitarbeiteransprache über unterschiedlichste Kanäle

  • Hohe Erreichbarkeit über verschiedene Kanäle
  • Innovative Stellenanzeigen, die Positionierung und Werte des Betriebs widerspiegeln
  • Externe Kommunikation sowie soziale Plattformen und Apps
  • Online Inserat über branchenspezifische Plattformen wie z.B.: www.jobsterne.de / www.hotelcareer.de / www.rollingpin.de
  • Weitere Möglichkeiten/Ideen: Messen, Print, Agentur für Arbeit, aktive Ansprache online z.B. über Xing etc., Personalvermittler
  • Karriere-Bereich auf der Betriebswebseite zeigt die Relevanz nach außen

Arbeitgebermarke entwickeln und stärken

  • Befragung der Mitarbeiter im Betrieb
  • Auswertung für einen Arbeitgeber Stärkenkompass
  • Interner Workshop: für was stehen wir und wie setzen wir die Werte um?
  • Professionelle Kommunikation nach außen

TIPP: Nehmen Sie sich einen erfahrenen Coach, der Sie bei diesem Prozess begleitet. Wichtig: Jedes Jahr diesen Prozess mit den Mitarbeitern wieder auffrischen!

Der 1. Eindruck hat keine 2. Chance vom Vorstellungsgespräch mit zum 1. Arbeitstag

  • Auch das Unternehmen stellt sich beim Vorstellungsgespräch den Talenten vor
  • Zeit für das Gespräch, einen Betriebsrundgang nehmen, einen ruhigen Ort finden
  • Auf das Gespräch vorbereiten, die Unterlagen studieren, Fragen notieren
  • Den 1. Arbeitstag planen, technische Voraussetzungen schaffen und Zeit für eine Vorstellungsrunde nehmen
  • Einarbeitungsplan erstellen und mit den Kollegen kommunizieren
  • Feedback Gespräch nach dem 1. Arbeitstag, der 1. Woche und am Ende der Probezeit führen


Kurze Entscheidungsweg, klare Zuständigkeiten
Mitarbeiter möchten wissen was von ihnen erwartet wird, wer die Ansprechpartner sind und wo die Kompetenzen und Zuständigkeiten liegen. Das sollte von Anfang an klar kommuniziert werden. Auch definierte, effiziente Arbeitsprozesse geben Sicherheit und schaffen gute Rahmenbedingungen für die Zusammenarbeit. Dabei können folgende Unterlagen unterstützen:

  • Stellenbeschreibungen
  • Qualitätsstandards / Handbücher
  • Checklisten für operative Tätigkeiten

Mitarbeiterführung – die Währung heißt „Vertrauen“

  • Kommunikations- und Gesprächskultur
  • Professionelles Feedback
  • Lob und Anerkennung
  • Regelmäßige Entwicklungsgespräche
  • Teammeetings und teambildende Maßnahmen
  • Spaß und Erfolge teilen
  • Persönlichkeitsbildung für Führungskräfte
  • Kenntnisse über Arbeitsrecht und Mitarbeiterausbildung (Ausbilderschein)

Weiterbildungsmöglichkeiten

Die Weiterbildung ist neben Lob die beste Möglichkeit, Mitarbeiter emotional zu motivieren und fachlich zu fördern. Über 60% aller Mitarbeiter und sogar 80% derer unter 30 Jahren wünschen sich von ihrem Arbeitgeber, sich im Rahmen von Seminaren weiterentwickeln zu können. Mit Weiterbildungen zeigen Sie Ihren Mitarbeitern, dass Sie diese an Ihr Haus binden, sie wertschätzen und auf ihrem Karriereweg begleiten wollen. Das schafft Vertrauen und Loyalität.